BU-Rente: Wie hoch sollte sie sein – damit es im Ernstfall reicht?
„Wie viel BU-Rente brauche ich?“ ist die erste Frage – und die, die am häufigsten falsch beantwortet wird. Zu niedrig geplant bedeutet: Im Ernstfall fehlt Geld für Miete, Familie und Vorsorge.
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BU-Rente: Wie hoch sollte sie sein?
Das ist die Frage, die vor fast jedem BU-Abschluss steht – und die am häufigsten falsch beantwortet wird. Nicht weil die Leute leichtfertig sind, sondern weil die meisten Berater die Frage nicht ernsthaft stellen. 1.000 € klingt nach etwas. 1.500 € klingt nach mehr. Aber ob eine Zahl wirklich reicht, lässt sich nur durch eine konkrete Rechnung beantworten – nicht durch Gefühl.
Die gute Nachricht: Die Rechnung ist nicht kompliziert. Die schlechte: Das Ergebnis überrascht viele.
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Zum Lückenrechner →Die Faustregel – und warum sie trotzdem nicht reicht
75–80 % des aktuellen Nettoeinkommens als BU-Rente – das ist die verbreitete Empfehlung. Sie ist nicht falsch. Aber sie ist auch nicht präzise genug, um auf Ihre Situation angewendet zu werden ohne nachzurechnen.
Warum 75–80 % und nicht 100 %? Weil der Gesetzgeber eine Obergrenze definiert: Die BU-Rente darf das aktuelle Nettoeinkommen nicht übersteigen. Das verhindert, dass man sich an einer Berufsunfähigkeit bereichert. In der Praxis landet man mit allen Nebenkosten ohnehin nahe an dieser Grenze.
Was die Formel nicht zeigt: Bei GKV-Pflichtversicherten fällt auf die BU-Rente Krankenversicherungsbeitrag an – also nochmals 14,6 % plus Zusatzbeitrag. Das kĂĽrzt die effektive BU-Rente erheblich. Wer das nicht einrechnet, hat eine stille Lücke.
Minimumschwelle laut unserer Beratungspraxis: 1.500 €/Monat. Wer weniger versichert, hat im Ernstfall häufig nur eine falsche Sicherheit. Bei kleinen BU-Renten rechnet der Staat eigene Einkommen auf staatliche Leistungen an – das heißt: Ihre BU-Rente reduziert mögliche Sozialleistungen eins zu eins. Die BU bringt dann faktisch nichts.
Was bei Berufsunfähigkeit tatsächlich ankommt – staatliche Leistungen im Überblick
Viele Menschen verlassen sich im Hinterkopf auf den Staat. Das ist bei der BU ein teurer Irrtum.
| Quelle | Betrag | Voraussetzung | Realistisch? |
|---|---|---|---|
| Gesetzliche Erwerbsminderungsrente (voll) | Ca. 34 % des letzten Brutto | Weniger als 3 h/Tag arbeitfähig – in irgendeinem Beruf | Selten erreichbar bei BU |
| Gesetzliche Erwerbsminderungsrente (halbe) | Ca. 17 % des letzten Brutto | 3–6 h/Tag arbeitfähig – in irgendeinem Beruf | Häufig, aber wenig |
| Beamtenruhegehalt (DU) | Ca. 1.750 €/Monat (Mindest) | Erst nach 5 Dienstjahren; vorher: 0 € | Nur mit genügend Dienstzeit |
| Private BU-Rente | Vertraglich vereinbart | 50 % BU im zuletzt ausgeführten Beruf | Einzige verlässliche Quelle |
Der entscheidende Unterschied: Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente zahlt nur, wenn Sie irgendeinen Beruf für weniger als 3 h täglich ausführen können. Als Arzt, Ingenieur oder Lehrer, der seinen spezifischen Beruf nicht mehr ausüben kann, aber noch 4 h irgendwie arbeitsfähig ist, erhalten Sie gar nichts. Die private BU zahlt dagegen, wenn Sie Ihren konkreten Beruf zu mindestens 50 % nicht mehr ausüben können.
Drei Rechnungen aus der Praxis – so unterschiedlich ist die richtige Rentehöhe
Sophia K., 29 – Grundschullehrerin, Beamtin auf Probe, Baden-Württemberg
Nettobezug im Referendariat: ca. 1.860 €/Monat. Kollegen hatten ihr empfohlen, eine BU mit 1.200 € abzuschließen – „für den Notfall“. Unser Check:
Fixkosten: Miete 780 €, Lebensmittel 350 €, Transport 90 €, Handy/Strom/GEZ 80 €, Altersvorsorge 120 €, PKV-Eigenbeitrag (Beamtin) ca. 130 € = 1.550 €/Monat Minimalbedarf. Dazu Krankenversicherung, die auch bei BU weiterläuft.
1.200 € BU-Rente: 350 € unter dem Minimum. Ohne Ersparnisse nicht überlebensfähig. Dazu: Bei weniger als 5 Dienstjahren zahlt der Dienstherr null Ruhegehalt. Die einzige Quelle wäre die BU-Rente – und die reichte nicht.
Unser Ergebnis: DU-Versicherung mit 1.800 €/Monat abgeschlossen, mit Nachversicherungsgarantie auf 2.500 € bei Verbeamtung auf Lebenszeit. Beitrag: 68,40 €/Monat. Differenz zur ursprünglichen Planung: 15 €/Monat. Für 15 € mehr ein vollständig anderes Sicherheitsnetz.
Marcus L., 35 – Softwareentwickler, angestellt, Nettoeinkommen 4.200 €
Wollte eine BU mit 2.000 € abschließen – „das reicht sicher“. Unser Check:
Monatlicher Bedarf: Miete mit Tilgung (Eigentumswohnung) 1.350 €, Lebenshaltung 900 €, PKV (er ist freiwillig gesetzlich versichert – KV-Beitrag auf BU-Rente 14,6 % + Zusatzbeitrag ≈ 320 €/Monat), Altersvorsorge 200 € = Mindestbedarf ca. 2.770 €/Monat.
2.000 € BU-Rente minus 292 € KV-Beitrag (14,6 %) = effektiv 1.708 €. Gegenüber 2.770 € Bedarf: Lücke von über 1.000 €/Monat. Die Eigentumswohnung wäre in spätestens 12 Monaten nicht mehr haltbar.
Unser Ergebnis: BU mit 3.200 €/Monat. Nach KV-Beitrag verbleiben ca. 2.730 € – knapp unter dem Bedarf, aber mit kleinem Puffer aus Ersparnissen handhabbar. Beitrag: 143,60 €/Monat. 2.000 € BU wäre für 98 €/Monat zu haben gewesen – und wäre im Ernstfall wertlos.
Dr. Lena F., 31 – Assistenzärztin, angestellt, Nettoeinkommen 3.400 €
Hatte von einem Kommilitonen gehört, dass Ärzte eine „Spezial-BU mit 3.000 €“ benoötigen. Unser Check:
Mediziner haben im Leistungsfall häufig Sonderprobleme: Sie können oft noch „arbeiten“ – als Gutachter, in der Verwaltung – und die BU zahlt deshalb unter Umständen nicht. Entscheidend ist die Klausel: keine abstrakte Verweisung. Und: Ärzte in der GKV zahlen auf ihre BU-Rente Krankenversicherungsbeitrag, was die Rente effektiv kürzt.
3.000 € BU minus 438 € KV = 2.562 € effektiv. Ihr Bedarf (Miete 1.100 €, Leben 800 €, KV 438 €, Altersvorsorge 300 €) = 2.638 €. Fast passend – aber nur wegen Leistungsdynamik im Vertrag.
Unser Ergebnis: 3.200 € BU mit Leistungsdynamik 2 % – damit steigt die Rente im Leistungsfall jährlich und gleicht Inflation und steigende KV-Beiträge aus. Beitrag: 164,20 €/Monat. Plus AU-Klausel: zahlt bereits bei längerer Krankschreibung, bevor das BU-Kriterium erfüllt ist.
Die vier häufigsten Fehler bei der Rentehöhe
„Grundsätzlich sehen wir immer wieder BU-Renten von 500 oder 900 Euro in den Vertragsunterlagen, die zu uns gebracht werden. Daran erkennt man meistens, dass der Berater damals einfach einen Verkauf machen wollte. Wer das kauft, hat keinen Schutz – er hat ein schlechtes Gefühl weniger. Das ist nicht dasselbe.“
Orientierungswerte nach Beruf und Einkommen
Die folgende Tabelle zeigt Richtwerte. Die tatsächlich sinnvolle Rentehöhe hängt von Ihrer konkreten Kostensituation ab – berechnen Sie sie mit unserem Rechner.
| Beruf / Status | Nettoeinkommen | Empfohlene BU-Rente | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Ingenieur/in (angestellt) | 3.200 € | 2.400 € | KV-Beitrag auf BU-Rente einrechnen (GKV) |
| Lehrerin/Lehrer (Beamte) | 2.800 € | 2.100 € + DU-Klausel | Unter 5 Dienstjahren: 0 € Ruhegehalt – BU = einzige Quelle |
| Assistenzärzt*in | 3.400 € | 2.800‑3.200 € | AU-Klausel besonders wichtig; Leistungsdynamik wegen langer Laufzeit |
| Selbständige/r (Unternehmensberater) | 5.500 € | 3.500 € | Keine gesetzl. EM-Rente; KV-Beitrag als Selbständ. höher |
| Berufseinsteiger (28, Akademiker) | 2.400 € | 1.800 € + Nachversicherungsgarantie | Nachversicherung ohne Gesundheitsprüfung für späteres Einkommen |
| Student*in | – | 1.500 € (Pauschalgrenze) | Günstiger Einstieg; Nachversicherung beim Berufseinstieg nutzen |
Alle Werte Orientierungswerte aus der Beratungspraxis. Individuelle Berechnung über unseren Rechner oder im persönlichen Gespräch.
Nachversicherungsgarantie für Berufseinsteiger: Wer jung und mit niedrigem Gehalt einsteigt, sollte nicht zu knapp versichern – aber muss das auch nicht. Mit einer Nachversicherungsgarantie kann die Rentehöhe bei definierten Ereignissen (Gehaltssprung, Heirat, Kindsgeburt, Immobilienkauf) ohne neue Gesundheitsprüfung erhöht werden. Das ist der richtige Weg: kleiner Einstieg, wachsender Schutz.
Häufige Fragen zur BU-Rentehöhe
Weil 1.000 € in den meisten Lebenssituationen die Fixkosten nicht deckt. Miete, Lebensmittel, Nebenkosten, Krankenversicherung – das sind schon in einer kleinen Stadt 1.200–1.500 €/Monat. Dazu kommt: GKV-Pflichtmitglieder zahlen auf die BU-Rente Krankenversicherungsbeitrag – von 1.000 € kommen dann effektiv nur ca. 854 € an. Die BU gibt eine falsche Sicherheit, schafft aber keinen echten Schutz.
Das hängt davon ab, wie Ihre BU-Versicherung eingebettet ist. Bei einer selbständigen BU (SBU) – die wir in aller Regel empfehlen – gilt: Die BU-Rente unterliegt dem sogenannten Ertragsanteil, der von der Laufzeit abhängt und in der Regel sehr gering ist. Bei Beträgen unter dem Grundfreibetrag (ca. 11.604 €/Jahr für Alleinstehende, Stand 2024) fällt in der Praxis kaum Steuer an. Anders bei BU-Renten, die über Renten- oder Lebensversicherungen als Zusatzversicherung laufen – da sind die Steuern höher. Ein weiterer Grund, warum selbständige BU-Verträge fast immer die bessere Wahl sind.
Mit Nachversicherungsgarantie: ja, bei definierten Ereignissen ohne neue Gesundheitsprüfung. Ohne diese Klausel: nur mit neuem Antrag und neuer Gesundheitsprüfung – zum dann höheren Alter und mit aktuellem Gesundheitszustand. Das kann teurer werden oder sogar scheitern, wenn zwischenzeitlich Diagnosen hinzugekommen sind. Deshalb: Nachversicherungsgarantie von Anfang an im Vertrag sichern.
Beitragsdynamik: Erhöht jährlich Beitrag und versicherte Rente um einen festen Prozentsatz (z. B. 3 %) – vor dem Leistungsfall, also in der Ansparphase. Schützt davor, dass die versicherte Rente durch steigende Lebenshaltungskosten real an Wert verliert. Sie können der Erhöhung widersprechen.
Leistungsdynamik: Erhöht die ausgezahlte Rente im Leistungsfall jährlich (z. B. 1–2 %). Relevant für lange Leistungszeiträume – wer mit 35 berufsunfähig wird und 32 Jahre Rente bezieht, braucht diese Absicherung gegen Inflation.
Ja. Die BU-Rente darf in der Regel nicht höher sein als das aktuelle Nettoeinkommen. Das verhindert eine Bereicherung durch Berufsunfähigkeit. Bei Studenten und Berufseinsteigern gilt meistens eine pauschale Versicherungsgrenze (häufig 1.500 €/Monat), unabhängig vom aktuellen Einkommen. Wer später mehr verdient, kann über die Nachversicherungsgarantie erhöhen.
Weiterführende Seiten zur BU
Die richtige BU-Rente – konkret für Ihre Situation
Der Rechner gibt Orientierung. Im persönlichen Gespräch rechnen wir Ihren konkreten Bedarf durch – mit allen Faktoren, die Online-Rechner nicht kennen.
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