Jeden Frühling landet sie im Briefkasten oder im E-Mail-Postfach: die Jahresmitteilung zur Rentenversicherung. Und fast genauso verlässlich landen danach die Nachrichten bei mir: „Herr Krause, das sieht nicht gut aus." – „Da kommt ja nichts raus." – „Lohnt sich das überhaupt noch?" Ich verstehe diese Sorge. Ich kenne sie aus über 6.000 Vorsorge-Beratungen. Und ich kann Ihnen sagen: In neun von zehn Fällen ist das Bild deutlich besser, als es auf den ersten Blick aussieht. Weil ein entscheidender Denkfehler dazwischen steckt.
In diesem Beitrag räume ich mit den sechs häufigsten Mythen rund um die Rentenversicherung auf. Nicht theoretisch, sondern so, wie ich es meinen Kunden erkläre – mit echten Zahlen, aus der Praxis, direkt.
Warum die Jahresmitteilung so oft Verwirrung stiftet
Stellen Sie sich vor: Sie bekommen Ihren jährlichen Kontoauszug und sehen als erstes einen Betrag, der deutlich niedriger ist als alles, was Sie sich erhofft haben. Was Sie dabei aber nicht sofort sehen: Dieser Betrag ist die gesetzlich vorgeschriebene Mindestangabe – also das, was die Versicherung Ihnen im allerschlechtesten denkbaren Fall garantiert. Nicht das, was Sie voraussichtlich bekommen. Nicht das, was realistisch herauskommt. Sondern die absolute Untergrenze.
Das ist kein Trick. Das ist Regulatorik. Versicherungsunternehmen dürfen und müssen nur das garantieren, was sie mit 100-prozentiger Sicherheit leisten können. Und 100 Prozent Sicherheit bedeutet: Selbst wenn die Kapitalmärkte dreißig Jahre lang seitwärts laufen, kriegen Sie das hier mindestens. In der Realität – und damit meine ich die letzten 30, 40, 50 Jahre Kapitalmarktgeschichte – sieht es erheblich besser aus.
Das Missverständnis passiert in dem Moment, wo wir diese Garantiezahl mit dem tatsächlich erwartbaren Ergebnis gleichsetzen. Und genau hier beginnen die Mythen.
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More InformationBernd Krause erklärt live, was in der Jahresinformation wirklich steht und wie man die Zahlen richtig einordnet.
Die 6 Mythen – und was wirklich dahintersteckt
„Die Garantiewerte sind das, was ich am Ende rausbekomme."
Das ist der Klassiker. Und er ist so weit verbreitet, weil die Jahresmitteilung ihn geradezu einlädt. Die Garantiewerte stehen nämlich ganz vorne, in großen Zahlen. Die Hochrechnungen kommen danach – kleiner, in einer Tabelle, manchmal erst auf Seite 4 oder 6.
Was ist ein Garantiewert? Es ist das, was die Versicherung Ihnen mindestens auszahlt – unabhängig davon, was die Märkte machen. Bei einer fondsgebundenen Rentenversicherung entspricht dieser Wert in der Regel der Summe Ihrer eingezahlten Beiträge. Also im Klartext: Sie können nicht weniger rausbekommen, als Sie eingezahlt haben. Das ist die Untergrenze. Das Ziel ist natürlich erheblich höher.
Ein konkretes Beispiel aus meiner Beratungspraxis: Eine Kundin schrieb mir besorgt, weil in ihrer Mitteilung bei 0 % Wertentwicklung ein Gesamtguthaben von 25.370 € ausgewiesen wurde. Ihre Reaktion: „Das ist doch furchtbar." Meine Antwort: Nein. Das bedeutet schlicht: Selbst wenn die Fonds dreißig Jahre lang null Prozent Rendite erzielen – was historisch noch nie passiert ist – bekommt sie ihre Einzahlungen zurück. Bei 4 % erwarteter Jahresrendite stehen dort 58.083 €. Bei 6 % schon 91.724 €.
| Angenommene Wertentwicklung p.a. | 0,0 % | 4,0 % | 6,0 % | 8,0 % |
|---|---|---|---|---|
| Mögliches Gesamtguthaben | 25.370 € | 58.083 € | 91.724 € | 148.022 € |
| Monatliche Rente (Dynamische Rente) | 88,01 € | 201,48 € | 318,17 € | 513,46 € |
| Monatliche Rente (garantierter Rentenfaktor) | 37,45 € | 85,73 € | 135,38 € | 218,47 € |
„Ich bekomme weniger raus, als ich eingezahlt habe."
Diese Angst ist verständlich. Aber sie basiert auf einem Denkfehler: Menschen vergleichen die garantierte Rentenleistung – also die monatliche Rente aus dem Garantiewert – mit dem, was sie insgesamt eingezahlt haben, und erschrecken sich, weil die monatliche Rente „so klein" wirkt.
Das Problem dabei: Die Rente wird lebenslang gezahlt. Nicht für zehn Jahre. Lebenslang. Wer mit 67 in Rente geht und 85 wird, bekommt 18 Jahre lang seine Rente. Wer 92 wird, bekommt sie 25 Jahre. Das ist der entscheidende Unterschied zur Einmalauszahlung: Die Versicherung trägt das Langlebigkeitsrisiko. Und das ist buchstäblich nicht mit ETF-Sparplänen zu vergleichen, weil ein ETF-Depot endlich ist. Eine Rentenversicherung nicht.
Hinzu kommt: Bei einer betrieblichen Altersvorsorge zahlen Sie ohnehin nicht den vollen Beitrag selbst. Ein erheblicher Teil kommt vom Arbeitgeber – gesetzlich mindestens 15 %, in vielen Verträgen mehr – plus Steuer- und Sozialversicherungsersparnis. Wer bei einer bAV sagt „ich bekomme weniger raus als ich eingezahlt habe", vergisst häufig, dass er vielleicht nur die Hälfte oder zwei Drittel der Beiträge wirklich aus dem Netto bezahlt hat.
„Mein Vertrag hat sich schlecht entwickelt – der aktuelle Wert ist so niedrig."
Hier kommt das Thema Stichtagsbetrachtung ins Spiel. Die Jahresmitteilung zeigt Ihnen, was Ihr Vertrag an einem einzigen Tag wert war. Nicht was er morgen wert ist. Nicht was er in 15 Jahren wert ist. Heute.
Stellen Sie sich vor, jemand fragt Sie am 24. März 2020 – dem Corona-Tief an den Börsen – wie es Ihrem Depot geht. Schlecht, würden Sie sagen. Aber wer damals nicht verkauft hat, hat zwei Jahre später Allzeithochs gesehen. Fondsgebundene Rentenversicherungen funktionieren genauso: Schlechte Jahresmitteilungen kommen oft nach schlechten Börsenjahren. Das sagt nichts über die Langfristentwicklung aus.
Das Entscheidende ist der Zeitraum. Wer noch 20 Jahre bis zur Rente hat, kann zwischenzeitliche Schwankungen komplett aussitzen. Wer noch fünf Jahre hat, muss das im Blick haben – aber dann wäre das Thema Ablaufsicherung eh schon längst besprochen worden. Zumindest wenn der Vertrag gut betreut ist.
„Rentenversicherung lohnt sich grundsätzlich nicht."
Das ist wohl der hartnäckigste Mythos. Er lebt davon, dass es immer irgendwelche Kostenstrukturen gibt, die man kritisieren kann. Und ehrlich gesagt: Es gibt Rentenversicherungsverträge, die sich nicht lohnen. Zu hohe Kosten, schlechte Fondsauswahl, inflexibel, keine Transparenz. Die gibt es. Ich kenne sie aus der Beratungspraxis.
Aber die pauschale Aussage „Rentenversicherung lohnt sich nicht" ist genau so sinnvoll wie „Autos laufen schlecht" – weil man mal einen Gebrauchten mit 200.000 Kilometern und Ölverlust gefahren ist. Das Problem war nicht das Auto. Es war dieser spezifische Wagen.
Was sich hingegen lohnt – und das zeigen uns 40 Jahre Beratungspraxis –: Eine fondsgebundene Rentenversicherung mit transparenter Kostenstruktur, guter Fondspalette und einem versierten Makler, der den Vertrag begleitet. Steuerfreies Kapitalwachstum während der Ansparphase. Steuerlicher Vorteil bei der Verrentung. Möglichkeit zur Kapitalabfindung. Das ist kein schlechtes Angebot.
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More InformationBernd Krause analysiert, wann sich eine Rentenversicherung rechnet und wann nicht.
„Ein ETF-Sparplan wäre viel besser gewesen."
Das ist das häufigste Argument auf Finanzblogs und in YouTube-Kommentarspalten. Und ich sage Ihnen, was ich dazu denke – ohne Schönreden.
Ein ETF-Sparplan ist für viele Menschen eine ausgezeichnete Komponente der Altersvorsorge. Für manche sogar die beste. Aber der Vergleich „ETF vs. Rentenversicherung" ist in dieser Pauschalität falsch, weil er zwei komplett unterschiedliche Produkte auf einen einzigen Aspekt reduziert: die Rendite. Dabei ignoriert er:
- Lebenslange Rente: Kein ETF-Depot zahlt Ihnen Geld, wenn Sie 95 werden und das Depot aufgebraucht ist. Eine Rentenversicherung tut das.
- Steuerliche Behandlung: Kapitalwachstum in einer Rentenversicherung ist während der Laufzeit steuerfrei. Bei der Verrentung gilt die günstige Ertragsanteilbesteuerung. Ein Depot wird jährlich mit Abgeltungssteuer belastet.
- Steuerfreie Umschichtung: In der Rentenversicherung können Sie Fonds wechseln, ohne Steuern zu realisieren. Im Depot nicht.
- Pfändungsschutz: Rentenversicherungen genießen unter bestimmten Voraussetzungen besonderen Schutz. Ein Depot nicht.
Das bedeutet nicht, dass jede Rentenversicherung einem ETF-Sparplan vorzuziehen ist. Es bedeutet, dass der Vergleich komplexer ist, als er in drei Instagram-Slides dargestellt werden kann. In der Praxis empfehlen wir in vielen Fällen beides – kombiniert, je nach Lebenssituation, Ziel und Zeithorizont.
„Mit einem Honorarberater wäre das günstiger und besser geworden."
Das ist ein Mythos, dem ich besonders häufig begegne – und der besonders gerne von Leuten verbreitet wird, die noch nie selbst in einer Honorarberatung saßen.
Das Versprechen klingt logisch: Kein Provision, kein Interessenkonflikt, günstigerer Nettotarif. Die Realität ist etwas vielschichtiger. Zunächst zur Kostenfrage: Honorarberater rechnen nach Zeit oder Pauschale ab. Eine gründliche Rentenversicherungsberatung mit Analyse, Empfehlung und Abschluss kostet je nach Berater 500 bis 2.000 €. Hinzu kommen jährliche Betreuungskosten, wenn Sie regelmäßigen Service wollen. Provisionseinsparungen im Nettotarif gleichen das nicht immer aus – vor allem nicht bei kleineren Vertragssummen.
Dann zum Thema Beratungsqualität: Die ist nicht automatisch besser, weil keine Provision fließt. Ein provisionsbasierter Makler, der auf Festgehalt arbeitet – wie bei uns –, hat denselben fehlenden Interessenkonflikt wie ein Honorarberater. Wir haben keine Verkaufsziele. Kein Mindestabschluss pro Monat. Kein Bonussystem pro Versicherer. Unser Einkommensmodell ist intern abgekoppelt vom Produkt, das Sie abschließen.
„Rentenversicherungen sind viel zu teuer – mit einem Depot spare ich mir das."
Das ist ein Mythos, der sich hartnäckig hält – und der auf einem echten Missverständnis basiert, das die Jahresmitteilung selbst mitverursacht. Lassen Sie mich das auseinandernehmen.
Erstens zur Kostenfrage im direkten Vergleich: Ein ETF-Depot klingt günstig. Und ja, die laufenden Fondskosten sind niedrig. Aber wer die Gesamtkosten ehrlich zusammenrechnet, landet schneller als gedacht auf einem anderen Ergebnis. Da sind die Ordergebühren beim Kauf und Verkauf – auch bei Neobrokern nicht null, dort oft über Handelsmargen eingepreist statt als Flatgebühr ausgewiesen. Da sind die Spreads zwischen Kauf- und Verkaufskurs, die bei jedem Trade anfallen und die kaum jemand in seine persönliche Renditerechnung einbezieht. Da sind Depotgebühren, Währungsumrechnungskosten bei ausländischen ETFs, Verrechnungssteuer auf Dividenden. Und da ist – das vergessen die wenigsten – die Abgeltungssteuer auf jede Ausschüttung und jeden realisierten Gewinn, die das Zinseszinseffekt-Kapital Jahr für Jahr schmälert.
Wer das alles über eine Laufzeit von 25 oder 30 Jahren konsequent durchrechnet, stellt fest: Die besten modernen ETF-Rentenversicherungen liegen kostentechnisch mittlerweile auf Augenhöhe mit einem sauber geführten ETF-Depot – und manchmal sogar darunter, wenn man den Steuerstundungseffekt mit einrechnet. Das war vor zehn Jahren noch anders. Heute nicht mehr.
Zweitens – und das ist der Punkt, der am häufigsten missverstanden wird: Was in der Jahresmitteilung wie „Kosten" aussieht, sind es oft gar nicht. Wenn Ihr Vertragsguthaben vom letzten zum aktuellen Stichtag gefallen ist, sehen Sie ein Minus. Das kann Kosten bedeuten. Oder es bedeutet schlicht: Die Fonds haben an diesem Stichtag weniger wert als ein Jahr zuvor. Nichts weiter. Kein dauerhafter Verlust, keine Gebühr, sondern eine Momentaufnahme des Marktes.
In der Praxis sehe ich das immer wieder: Eine Jahresmitteilung kommt nach einem schwachen Börsenquartal raus, zeigt einen Rückgang von 3 %, und der Kunde ist überzeugt, sein Vertrag „kostet" ihn Geld. Zwei Wochen später haben sich die Märkte erholt und das Guthaben liegt wieder über dem Vorjahreswert. Der scheinbare „Kostenberg" war eine Wellenbewegung im Kapitalmarkt – ausgewiesen zum ungünstigsten Stichtag.
Der Unterschied ist wichtig: Echte Kosten verschwinden nicht, wenn die Märkte steigen. Ein Stichtagsverlust tut es oft.
Was bedeutet das für Sie konkret?
Wenn Sie Ihre Jahresmitteilung in der Hand halten und unsicher sind: Atmen Sie kurz durch. Schauen Sie nicht nur auf die erste Zahl, die ins Auge springt. Suchen Sie die Tabelle mit den Hochrechnungen – meist auf den mittleren Seiten. Schauen Sie sich die 4- oder 6-Prozent-Spalte an. Das ist historisch realistisch. Das ist das Szenario, auf das eine langfristige Altersvorsorge abzielt.
Und wenn Sie sich trotzdem unsicher fühlen – oder wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihr Vertrag möglicherweise zu teuer ist, zu starr, die falsche Fondsauswahl hat oder schlicht nicht mehr zu Ihrer Lebenssituation passt –: Dann lohnt sich ein genauer Blick. Nicht weil jeder Vertrag schlecht ist. Sondern weil kein Vertrag für immer unverändert optimal ist.
Möchten Sie verstehen, was eine ETF-Rentenversicherung von einem klassischen ETF-Sparplan unterscheidet – und wann sie sich wirklich lohnt? Das erkläre ich ausführlich in meinem Beitrag: „ETF-Rentenversicherung: Was sie kann, was sie kostet – und für wen sie sich wirklich lohnt".
Der Vertragscheck: Was steckt wirklich in Ihrer Rentenversicherung?
Wir bieten Ihnen einen strukturierten Vertragscheck an – gegen eine kleine Bearbeitungspauschale. Kein unverbindliches „schicken Sie uns mal alles", sondern eine echte Analyse: Kostenquoten, Fondsauswahl, Flexibilität, steuerliche Behandlung, Rentenfaktor, Wechselmöglichkeiten. Das Ergebnis: Sie wissen danach, ob Ihr Vertrag gut aufgestellt ist – oder ob und wie man nachjustieren sollte.
Das Beste daran: Sie bekommen eine klare Einschätzung, keine Verkaufsveranstaltung. Wenn der Vertrag gut ist, sagen wir das. Wenn er nachgebessert werden sollte, erklären wir, wie. Und wenn es sinnvoller wäre, einen anderen Weg zu gehen, sprechen wir offen darüber – inklusive einer Hochrechnung, was das konkret für Sie bedeuten würde.
Vertragscheck oder Neuberatung – wir schauen uns beides an
Haben Sie eine Jahresmitteilung, die Ihnen Sorgen macht? Oder möchten Sie Ihre Altersvorsorge neu aufstellen? Melden Sie sich – wir schauen gemeinsam drauf, klar und konkret.
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Ich habe Bernd wegen meiner Rentenversicherung kontaktiert, nachdem ich die Jahresmitteilung bekommen hatte und mir Sorgen machte. Er hat sich viel Zeit genommen, alles erklärt und war ausgesprochen neutral – keine aktive Beratung hin zu einem bestimmten Tarif, einfach ehrliche Einschätzung.
Fazit: Mehr Ruhe, mehr Klarheit – und das geht
Die Jahresmitteilung zur Rentenversicherung ist keine Hiobsbotschaft. Sie ist ein Dokument mit vielen Zahlen, das man lesen können muss. Die Garantiewerte sind nicht Ihr Ergebnis. Sie sind der Worst Case. Und der Worst Case bei einer fondsgebundenen Rentenversicherung bedeutet: Sie bekommen zurück, was Sie eingezahlt haben. Das ist nicht das Ziel – aber es ist auch kein Grund zur Panik.
Was wirklich zählt: Wie entwickeln sich die Fonds? Wie hoch sind die Kosten? Ist der Vertrag noch zur aktuellen Lebenssituation passend? Das sind die Fragen, die eine gute Beratung beantwortet. Nicht ein Screenshot aus der Jahresmitteilung.
Wenn Sie das für sich klären möchten – melden Sie sich. Das machen wir gerne.






