Besteuerung von Rentenversicherungen und Berufsunfähigkeitsversicherungen

Etwa ein Viertel der Rentenbezieher ist nach dem geltenden Gesetz steuerbelastet. Der Grundfreibetrag wird meist überschritten, wenn zu den Einkünften aus der Rente weitere Einkünfte hinzukommen. Der Rentner sollte sich deshalb genau darüber informieren, welche Möglichkeiten der steuerlichen Vergünstigungen (z.B. Behinderten- oder Arbeitnehmerfreibeträge) er in Anspruch nehmen könnte.

Bei der Versteuerung der Berufsunfähigkeitsrente (BU-Rente) handelt es sich um ein komplexes Thema, über das Sie sich vor Abschluß einer Versicherung informieren sollten. Damit können Sie unangenehme Überraschungen im Falle einer Berufsunfähigkeit verhindern. Denn mit dem seit 01.01.2005 geltenden Alterseinkünftegesetz wurden alle Fiskalbewertungen (auch die bestehenden) zur Besteuerung von Renten und Altersvorsorgeaufwendungen neu geregelt. Berufsunfähigkeitsrenten (als Erträge des Rentenrechts) sind als „sonstige Einkünfte“ steuerpflichtig. Dabei unterscheidet der Gesetzgeber drei Schichten der Berufsunfähigkeitsversicherung:

Versteuerung – erste Schicht (z.b. Basisrente)

Die Basisversorgung gilt als sogenannte erste Schicht. Dazu gehören alle sogenannten Leibrenten aus der gesetzlichen Rentenversicherung (inkl. Künstlersozialkasse, landwirtschaftliche Alterskassen) und  berufsständische Versorgungseinrichtungen. Auch Basisrenten (sogenannte Rürup-Rente) fallen unter die Betrachtung nach Schicht 1.

Bei Renten der ersten Schicht besteht die Neuerung vor allem darin, dass alle gesetzlichen und vergleichbaren Renten, die den Grundfreibetrag von 8.004 EUR (Stand: 2010) pro Jahr übersteigen, ab 2005 zu 50 Prozent der Besteuerung unterliegen. Das gilt auch für Bestandsrenten, d.h. für Renten, die schon vor dem 01.01.2005 gezahlt wurden. Der Besteuerungsanteil wird bis zum Jahr 2020 jährlich um zwei Prozentpunkte angehoben, ab dann um jährlich einen Prozentpunkt, so dass im Jahr 2040 schließlich 100 Prozent der Einkünfte besteuert werden. Wer z.B. im Jahr 2017 in Rente geht, muss seine Einkommen einer 74 prozentigen Besteuerung unterziehen lassen. Der steuerfrei bleibende Teil der Jahresbruttorente wird auf Dauer festgeschrieben. Das bedeutet, dass beispielsweise bei einem Renteneintritt im Jahr 2017 74 Prozent seines Einkommens dauerhaft besteuert werden.

Achtung: Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente wird wie eine gesetzliche Altersrente besteuert. Der große Unterschied ist aber hier, dass der steuerfrei bleibende Teil der Jahresbruttorente weiterhin jederzeit veränderlich ist. Der Prozentsatz bleibt nur für die Dauer der Gültigkeit der zugesagten  Erwerbsminderungsrente gleich. Wenn also nach einer gewissen Zeit ( meist 2 bis 4 Jahre) eine neue medizinische Untersuchung zur Beantragung der Weiterführung der Erwerbsminderungsrente durchgeführt wird, gilt ab diesem Zeitpunkt der aktuelle Prozentsatz. Es folgt die Tabelle mit den jährlichen Besteuerungsanteilen:

Rentenbeginn

Besteuerungsanteil

Rentenbeginn

Besteuerungsanteil

2005

50

2021

81

2006

52

2022

82

2007

54

2023

83

2008

56

2024

84

2009

58

2025

85

2010

60

2026

86

2011

62

2027

87

2012

64

2028

88

2013

66

2029

89

2014

68

2030

90

2015

70

2031

91

2016

72

2032

92

2017

74

2033

93

2018

76

2034

94

2019

78

2035

95

2020

80

2036

96

2021

81

2037

97

2022

82

2038

98

2023

83

2039

99

2024

84

2040

100

Für etwa drei Viertel der Rentenbezieher ändert sich durch das Alterseinkünftegesetz zur Zeit nicht sehr viel, da die Durchschnittsrenten in Deutschland in der Regel niedriger sind als der veranschlagte Grundfreibetrag. Eine Rente, die z.B. 12.000 EUR pro Jahr beträgt und aufgrund eines Eintritts im Jahr 2005 zu 50 Prozent steuerpflichtig ist (vgl. Tabelle der jährlichen Besteuerungsanteile), wird nur in Höhe von 6.000 EUR zur Steuer herangezogen. Da der Grundfreibetrag aber höher ist, besteht für die 6.000 EUR keine Steuerpflicht. Der Rentner muss also keine Steuern für seine 12.000 EUR zahlen.

Im Gegenzug zur Steuerbelastung der Renten werden 60 Prozent der Aufwendungen zur gesetzlichen Rentenversicherung (Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteil) ab 2005 von einer Einkommensteuerbelastung freigestellt (bis zu 60 Prozent von 20.000 EUR pro Jahr, also 12.000 EUR). Die Steuerfreiheit wird jährlich in Schritten von zwei Prozentpunkten angehoben, bis schließlich im Jahr 2025 genau 100 Prozent der Vorsorgeaufwendungen und maximal 20.000 EUR im Jahr steuerfrei sind. Eine Günstigerprüfung soll sicherstellen, dass durch die Umstellung auf das neue System der Besteuerung niemand schlechter gestellt wird.

Ergo:  Da Altersvorsorgeaufwendungen im Rahmen der Höchstgrenze von 20.000 EUR bereits im Jahr 2025 zu 100 Prozent steuerfrei sein werden, während die 100-prozentige Besteuerung der Renten erst im Jahr 2040 erfolgen wird, kann man behaupten, dass im Bereich der ersten Schicht insgesamt eine Steuerentlastung für den Bürger zu verzeichnen ist.

 

 

Versteuerung – zweite Schicht (z.B. Riester-Verträge oder betrieblichen Altersvorsorge).

Als zweite Schicht bezeichnet man Zusatzversorgungen. Die Versteuerung der Berufsunfähigkeitsrenten erfolgt folgendermaßen:

Art der Durchführung

Versteuerung der BU-Rente

Pauschalbesteuerung der Beiträge (analog zur 3. Schicht)

mit Ertragsanteil

Beiträge aus unversteuertem Einkommen

zu 100%

als Riesterversicherung

zu 100%

 

Versteuerung – dritte Schicht (private Versorgung)

Alle privat und nicht geförderte Renten (z.B. private Rentenversicherung, private Berufsunfähigkeitsversicherung oder Renten aus der Veräußerung von Privatvermögen) unterliegen der Regelung der dritten Schicht. Für die dritte Schicht ist zu beachten, dass private Berufsunfähigkeitsversicherungen oberhalb der Freibeträge versteuert werden müssen. Sie werden nach Ertragsanteil besteuert. Der Ertragsanteil richtet sich nach der Rentenlaufzeit (Leistungsdauer Ihres Vertrages) und nach dem Alter, ab dem Sie die Zahlungen bekommen. Je höher der Ertragsanteil (als fiktiver Gewinnanteil), desto umfassender müssen Sie Ihre Berufsunfähigkeitsrente versteuern. Die folgende Tabelle liefert konkretes Zahlenmaterial:

Beschränkung der Laufzeit der Rente auf … Jahre ab Beginn des Rentenbezugs

Der Ertragsanteil beträgt … v. Hundert

Beschränkung der Laufzeit der Rente auf … Jahre ab Beginn des Rentenbezugs

Der Ertragsanteil beträgt … v. Hundert

0

0

25

26

1

1

26

27

2

2

27

28

3

4

28

29

4

5

29

30

5

7

30

30

6

8

31

31

7

9

32

32

8

10

33

33

9

12

34

34

10

13

35

35

11

14

36

35

12

15

37

36

13

16

38

37

14

16

39

38

15

17

40

39

16

18

41

39

17

18

42

40

18

19

43

41

19

20

44

41

20

21

45

42

21

22

46

43

22

23

47

43

23

24

48

44

24

25

49

45

Folgende Leistungen bleiben übrigens auch weiterhin steuerfrei:

  • Renten aus der gesetzlichen Unfallversicherung (§ 3 Nr. 1a EStG)
  • Kriegsopfer- und Wehrdienstrenten (§ 3 Nr. 6 EStG)
  • Ausgleichszahlungen nach dem Lastenausgleichsgesetz und dem Bundesvertriebenengesetzes (§ 3 Nr. 7 EStG)
  • Renten zur Wiedergutmachung nationalsozialistischen Unrechts (§ 3 Nr. 8 EStG)

Versteuerung – Steuerklärung

Jeder, der Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit bezieht muss Steuererklärung geben, wenn der Gesamtbetrag aller Einkünfte den Grenzbetrag von 8.652 EUR (Stand: 2017) für Alleinstehende und 17.304 EUR für Verheiratete oder eingetragene Lebenspartnerschaften übersteigt. Lassen Sie sich von einem qualifizierten Steuerkundigen beraten, da in der gegenwärtigen Situation die genauen Auswirkungen der geänderten Besteuerung erläutert werden sollten. Der Experte kann schnell klären, ob die Abgabe einer Einkommensteuerklärung nötig ist.